H.E.L.G.O. e. V. in Hamburg

H.E.L.G.O. Child Labour Project - Kolkata

GESICHTER

Bildung statt Kinderarbeit

Besuchsbericht 5. bis 21. Februar 2012

Es ist der 4. Februar 2012 und ich bin im Flugzeug zu meinem zweiten Besuch bei HELGO NORTH POINT in Howrah, der Zwillingsstadt von Kolkata in Indien. Ich bin gespannt auf das was mich in Howrah erwartet. Den Jungs im Hostel hatte ich ja vor einem Jahr versprochen wiederzukommen, aber am meisten freue ich mich mein Patenkind, Rahul, kennen zu lernen.

Ich habe mir vorgenommen viele Kinder und deren Familien zu besuchen und mir ein Bild von deren Leben zu machen. Darüber möchte ich berichten.

Pünktlich, nachts um 1.00 h setzt die Maschine auf der Landebahn des internationalen Flughafens in Kolkata auf. Die Passagiere werden mit Bussen vom Flugzeug zur Ankunftshalle gefahren. Lange Warteschlangen bilden sich vor der Pass- und Zollkontrolle. Ich habe Zeit mir die Ankunftshalle anzusehen: sie ist klein, alt und sieht sehr heruntergekommen aus. In den Toiletten möchte ich mich keine Sekunde länger aufhalten als notwendig. Das ist also der internationale Flughafen einer Megastadt mit 15 Millionen Einwohnern, denke ich mir.

Nach einer Stunde stehe ich auf dem kleinen Parkplatz. Daniel leistet seit August 2011 ein soziales Jahr bei HELGO NORTH POINT ab und ist als eines der wenigen europäischen Gesichter hier schnell ausgemacht. „Schön, dass Du da bist.“ „Danke fürs Abholen. Es tut mir leid, dass es so spät geworden ist. Was gibt es Neues hier in Howrah?“ Dr. Razzaques Sohn, Parwez, er leitet die Außenstelle von HELGO in Liluah, gehört zu dem Empfangskomitee. Es gibt viel zu erzählen und da die Straßen nachts schlecht beleuchtet sind, bekomme ich gar nicht viel mit, wohin die Fahrt geht. Nach einer Stunde heißt es „This is Belilious Road.“ Noch in eine Seitenstrasse einbiegen und wir sind da. Laute Musik schallt uns aus Lautsprechern entgegen; oh ja, es wird der Geburtstag des Propheten Mohammed gefeiert. Howrah ist überwiegend moslemisch geprägt. Jetzt ist es 3.00 h als Daniel die Tür zu der Wohnung aufschließt, in der ich die kommenden 17 Tage verbringen werde, denn Hotels gibt es hier in Howrah nicht. Daniel hat ein Zimmer im Hostel, das nur wenige Meter entfernt, sozusagen zwei Ecken weiter, liegt. Morgens um 4.00 h hört die Musik auf und es kehrt langsam Ruhe auf der Straße ein.

Nach dem Frühstück führt mich mein erster Weg ins Hostel zu meinen 17 Jungs. Das Hallo ist groß und ich werde freudig empfangen. Die meisten Jungs hatten vor einem Jahr nicht geglaubt, dass ich wieder komme. Versprechen muss man einhalten und hier wird das mit ganz besonderem Dank vergolten.

Es hat sich nicht viel verändert außer, dass die Jungs alle etwas größer geworden sind und es gibt auch einige neue Gesichter. Die Abschlussprüfungen für das Schuljahr stehen kurz bevor und jeder spricht von seinen Erwartungen auf ein gutes Zeugnis. "Das ist hier genauso wie bei uns in Deutschland", denke ich.

Wer sind die Helfer bei HELGO NORTH POINT?

Dr. Razzaque

ist der Leiter von HELGO NORTH POINT und damit der erste Ansprechpartner in Indien für den deutschen Vorstand von H.E.L.G.O. e.V. Er spricht mit den Familien und entscheidet, ob ein Kind und damit auch dessen Familie unterstützt werden kann.

Es war ein sehr beeindruckendes Erlebnis für mich, als ich eines Morgens ins Hostel kam, und sah wie acht Mütter mit ihren Kindern auf ein Gespräch mit Dr. Razzaque warteten.

Daniel hatte den ersten Kontakt hergestellt. Die Familien wohnen alle in Howrah, Liluah, Belgachia Bhagar am großen Müllberg.

Die Frauen wissen, dass die Aufnahme eines Kindes nicht nur Schulausbildung für das Kind bedeutet. Es bedeutet auch Unterstützung für die Familie durch Reis und andere Lebensmittel als Ausgleich für den "Verdienstausfall" des Kindes.

Das ist der einzig richtige Weg, Kinder vor der Ausbeutung durch unmenschliche Arbeit zu schützen.

Ich erkenne eine Frau wieder; vor einigen Tagen habe ich sie auf dem Müllberg arbeiten gesehen und sie erkennt mich natürlich auch. Schade, dass ich kein Hindi spreche und sie daher nicht verstehen kann. Ich spüre die große Hoffnung in Ihren Augen, dass dieser Tag gut für sie ausgehen mag.

 

Oben: hoffende Mütter und ihre Kinder

Zu Mittag steht fest:

4 Jungs werden ab dem neu beginnenden Schuljahr die Hindi Medium School in Liluah besuchen können.

2 weitere sind für das kommende Jahr vorgemerkt, sie sind noch zu jung.

2 sind leider zu alt und können leider nicht mehr unterstützt werden.

Trotzdem, Daniel hat mit seiner Vorarbeit einen tollen, einen außergewöhnlichen Erfolg erzielt.

Rechts: Dr. Razzaque im Gespräch mit einer Mutter und ihrem Sohn

Es ist ein gut eingespieltes Team: Dr. Razzaque mit seinen beiden Leitern in Liluah und Buxarah, die Sozialarbeiter, die Nachhilfelehrer, der Hostelvater, die Küchenfrauen und natürlich den beiden deutschen Freiwilligen.

Ich möchte Ihnen einige dieser Helfer vorstellen:

Asgar Ali ist der Hostelvater. Er kümmert sich um die 17 Jungs im Hostel. Angefangen vom Wecken, Waschen, Pünktlichkeit bei Schulbesuch und Coachingstunden, Freizeit bis zum Saubermachen der Hostelräume. Er ist rund um die Uhr für seine Jungs da.

Die drei Sozialarbeiter Jaya, Silvester und Kalyani besuchen in regelmäßigen Abständen die über 200 Familien der von HELGO NORTH POINT unterstützten Kinder. Sie sind Ansprechpartner für alle Sorgen und Nöte der Eltern, übersetzen die Briefe der Paten und helfen beim Schreiben der Antworten. Und natürlich helfen, unterstützen und dolmetschen sie für mich wenn ich Familien besuche.

Daniel und Julius leisten seit August 2011 hier über die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. ein soziales Jahr ab. Die beiden haben viele neue Ideen eingebracht wie z. B. ein Fotokurs, mit der Hauskatze "Katarina" bei der die Hosteljungs den Umgang mit Tieren lernen und Verantwortung für Pflege und Füttern. Nicht zu vergessen das Skateboardprojekt, das in Deutschland zu einer Welle von Unterstützung geführt hat. Sie helfen beim Coaching, holen Gäste zu nachtschlafender Zeit von Flugplatz ab und und und . . . .

Die Nachhilfelehrer helfen mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen, sodass die Kinder in der Schule gut mitkommen und die Prüfungen schaffen. Das indische Schulsystem ist mit unserem in Deutschland nicht zu vergleichen. Die Lehrer an den Schulen verlangen, dass der Unterrichtsstoff auswendig gelernt wird. Für Rückfragen und Erklärungen ist selten Zeit. Hier vermitteln die Nachhilfelehrer in den täglichen Coachingstunden das notwendige Verständnis.

Die Küchenfrauen bereiten im Hostel, in Liluah und Buxarah für alle Kinder ein abwechslungsreiches und vor allem reichhaltiges Mittagessen. Man braucht nur den Kindern beim Essen zuzusehen und versteht, welch wichtiger Beitrag diese Frauen leisten.

Ich sage zu diesem Team Danke. Sie alle leisten einen sehr wertvollen Beitrag für die Kinder von HELGO NORTH POINT.

Wer sind die Kinder von HELGO NORTH POINT?

Ich habe viele Familien besucht und möchte Ihnen gerne in diesem Bericht einige Kinder und deren Eltern vorstellen.

RAHUL, mein Patenkind

"I am Rahul. . . . . . An einem Montag im Februar stand ER plötzlich da. Silvester, der Sozialarbeiter, ich kenne ihn gut von seinen Besuchen bei uns zu Hause. Silvester ist immer freundlich und nett, wenn er mit meiner Mutter spricht. Er rief mich und sagte: „Rahul, this is your god father“. Jaya, auch eine Sozialarbeiterin, hatte mir im Januar gesagt, dass mein Pate nach Indien kommt. Jetzt stand ER vor mir. Ich war schon sehr verunsichert und wusste nicht, was ich tun sollte. Er sagte etwas in Englisch, aber das war viel zu schnell und ich kannte die Worte auch noch nicht. Ich spürte, dass er sich sehr freute mich zu sehen, denn er lachte mich freundlich an. „I am Albert. I am very happy to see you. How are you?”

"Ich hatte Besuch von meinem Paten! Ja, meine Freunde und alle anderen Kinder werden mich jetzt beneiden. Zum Glück begann jetzt das Coaching und wir gingen alle auf unsere Plätze. Ich sitze ganz hinten neben der Tür und ER setzt sich neben mich auf die Türschwelle. Also holte ich mein Englischbuch heraus und begann zu lesen. Ich merkte, dass er sehr genau zuhörte, manchmal kam sein Kopf etwas näher. „Hoffentlich mache ich alles richtig?“ dachte ich.

Er klopfte mir anerkennend auf die Schulter und sagt: „OK, well done!""

So, oder ähnlich werden wohl die Gedanken von Rahul, meinem Patenkind, gewesen sein. Es war für mich selbstverständlich, dass ich die erste Möglichkeit nutzte, Rahul persönlich kennen zu lernen. Also bin ich montags nach dem Mittagessen mit Silvester nach Liluah gefahren.

Aber zurück zu meinem ersten Treffen mit Rahul.  Natürlich wurden wir bei unserer Ankunft von allen Kindern freudig begrüßt.  Ja und dann kam Silvester und stellte mir Rahul vor. Klar, wir waren beide im ersten Moment etwas überfordert und unsicher. Rahul, weil sein Englisch natürlich nicht so toll ist, und er gar nicht wusste, was er sagen soll. Mir ging es nicht anders: ich drückte ihm die Hand, strahlte Rahul an und sagte immer wieder: "I am very, very happy to see you. How are you?"

Dann fing zum Glück schon das Coaching an und ich setzte mich einfach neben ihn und hörte und sah zu.

Rahul ist mir bereits vor einem Jahr "vor die Linse" gekommen. Bei meinem Besuch in Liluah habe ich ihn fotografiert. Zu der Patenschaft haben meine Frau und ich uns erst nach meiner Rückkehr entschlossen und es der Organisation überlassen, welches Kind sie auswählen .

Zusammen mit Silvester habe ich dann noch seine Familie besucht. Seine Mutter, Ende 20, hat uns einen köstlichen Tee mit Ingwer gekocht. Sein Vater war nicht zuhause, er arbeitet als Tagelöhner. Erst bei einem meiner späteren Besuche lernte ich ihn kennen.

Der Raum bzw. die Wohnung, ist nicht mehr als 12 qm groß. Das Haus ist als Atrium um einen Innenhof gebaut, von dem die Eingänge zu weiteren 11 Wohnungen anderer Familien abgehen. So leben auf vielleicht 200 qm, abzüglich Innenhof, etwa 60 Menschen. Es gibt elektrischen Strom aber kein fließend Wasser; der Brunnen ist vor dem Haus. Gekocht wird auf dem Boden mit einem Petroleum betriebenen, kleinen Kocher. Im Vergleich zu den Chulas, den eimerähnlichen mit Kohle befeuerten Öfen schon fast als Luxusausstattung zu werten. Auf den Regalen über dem Kocher werden in Plastikbehältern Lebensmittel aufbewahrt.

An der einen Wand steht, wie überall in anderen Wohnungen auch, ein aus Brettern zusammen gezimmertes Gestell, das als Bett und Sitzgelegenheit dient. An den Wänden hängen Kleider, die guten, an Sonn- und Feiertags benutzen Gewänder werden mottensicher in verschließbaren Behältern aufbewahrt. Ein Schreibtisch, um die Schulaufgaben zu machen; nein, das gibt es nicht. Dafür sind die Coachingcenter von HELGO NORTH POINT da.

Toiletten? Ich weiß es nicht. Es wird wohl in der Nähe öffentliche Latrinen geben.

Ich habe Rahul noch oft getroffen. Wir haben zusammen im Englischbuch gelesen und gerechnet. Rechnen hat ihm am meisten Spaß gemacht. Besonders wenn wir um die Wette gerechnet haben. Er war oft schneller als ich.

Rahul ist ein aufgeweckter, und lebensfroher Junge. Ich bin gespannt, wie er sich in den kommenden Jahren entwickelt.

An meinem letzten Tag bin ich wieder mit dem Fahrrad nach Liluah gefahren und habe mich von ihm verabschiedet.

"Tschüss bis nächstes Jahr." habe ich ihm versprochen. Ich freue mich darauf.

Rahul, beim Coachingunterricht

Ein Sonnenschein

Erinnern Sie sich? Vor einem Jahr habe ich in meinem ersten Bericht von einem Jungen berichtet, der mit seinem, aus dem Müll geretteten, Spielzeugpferd in einem Unterstand auf dem Müllberg gesessen hat. - Bilder vor einem Jahr -

Ich habe Papierabzüge meiner Bilder mitgenommen und nach Kindern gefragt, die ich im vergangenen Jahr fotografiert hatte. Jeder kennt hier jeden! Die Umstehenden riefen etwas in Hindi und dann stand ein Mädchen vor mir, das über das ganze Gesicht lachte.

Bei genauerem Hinsehen hätte ich es eigentlich sehen müssen, das Kind das ich vor einem Jahr als Junge ansah ist ein Mädchen und sagt: "My name is Kareena Paswal." Sie geht, unterstützt von HELGO, in die erste Vorschulklasse.

Dieses Wiedersehen hat mich ganz besonders gefreut.

Kareena Paswal ist ein ganz besonderer Sonnenschein. Ihr Lachen und ihre Fröhlichkeit ist ansteckend.

Sie hat das Bild von sich mit großen Augen angesehen und dann in ihr Schulbuch gesteckt. Während dem Coaching habe ich immer wieder gesehen, dass sie das Bild hervorholte und betrachtete und ihren Freundinnen zeigte. Seit diesem Tag hat sie mich jedes Mal, wenn sie mich sah, sofort mit ihrem spitzbübischen Lachen begrüßt.

Ein paar Tage später, ich ging mit Silvester durch den Slum am Müllberg, kam sie natürlich auch sofort auf mich zu. Sie hat noch einen jüngeren Bruder und eine Schwester.

Kareena ist ein ganz besonderes Kind. Sie freut sich ihres Lebens und ist ganz unbeschwert. Während des nachmittäglichen Coachings habe ich sie immer sehr fleißig in ihrem Englischbuch lernen sehen. Ich freue mich darauf ihren Lebensweg in den kommenden Jahren weiter verfolgen zu können.

Kareena mit Ihren Geschwistern, im Hintergrund ihre Mutter

Vier Freunde

Krishna, Pawan, Subodh und Raju (von links nach rechts auf dem Bild) leben und wohnen im Hostel und sind nur während der Ferien bei Ihren Eltern in Liluah. Sie besuchen alle eine English Medium School in Tikiapara

und sprechen daher recht gut Englisch. Sonntags mal kurz seine Familie zu besuchen, ist für die Jungs im Hostel eigentlich nicht möglich, aber Asgar, der Hostelvater, machte für mich gerne eine Ausnahme, wir sollten nur gegen 14.00h wieder da sein. So machten sich 4 Freunde und ich an einem Sonntagvormittag auf nach Liluah. Ich wollte zwei Fahrradrickschahs anheuern, aber an diesem Sonntag schien es, dass die Rickschahfahrer keine rechte Lust hatten, denn sie verlangten viel höhere Preise als sonst. Klar, in Belgachia Bhagar, der Müllberg in Liluah, da finden sie sonntags keine anderen Fahrgäste. Also ging es zu Fuß und nach gut 40 Minuten erreichten wir die Hütte von Rajus Familie.

Die Mutter von Raju war damit beschäftigt kleine Papiertütchen mit Farbpulver zu befüllen. Diese werden kurz vor oder am Holi Day für 2 Rupee verkauft.

Am 8. März ist Holi Day, ein sehr farbprächtiger Feiertag der Hindus.

Das Farbpulver wird in Wasser aufgelöst. Die Menschen bespritzen sich damit. Es ist ein großer Spaß, denn die Farbe kann schon ein paar Tage auf Haut oder Haaren bleiben.

 

 

 

 

Von hier wurde ich dann zu Pawans Eltern gebracht. Überall wurde ich sehr gastfreundlich aufgenommen und mir wurde Chai, Tee und andere Getränke angeboten. Die indische Gastfreundschaft ist einzigartig. Egal wie arm und bescheiden die Familie lebt, der Gast wird mit einer ganz besonderen Aufmerksamkeit bewirtet.

Die Jungs haben mich immer mal wieder mit ihren Eltern alleine gelassen, was die Kommunikation nicht gerade erleichterte. Auch ohne Hindi und große Worte haben wir uns mit Gesten gut verstanden.

Rechts: Beim Teetrinken mit Pawans Eltern.

Rajus und Pawans Familien wohnen in Häusern aus Stein.

Subodh und Krishnas Hütten liegen neben einander und sind viel einfacher gebaut.

Soboth mit Eltern und seine kleineren Brüdern.

Die Hütten sind aus Bambus und Palmblattmatten hergestellt. Nur die Rückseite steht an einer Mauer und bietet daher den größten Schutz. So hört man jedes Wort oder auch das laute Radio aus der Nachbarhütte. Der Boden ist aus gestampftem Lehm.

Mein erster Blick fällt auf den Eingang: die Türe - oder was als Türe benutzt wird - ist mit ein paar Schnüren an den Bambusstangen befestigt.

Ich erinnere mich an den, vor ein paar Tagen, sehr heftigen Regen. Jetzt stelle ich mir vor, wie das wohl in so einer Hütte gewesen sein muss: "It´s raining cats and dogs" heißt es so schön wenn man meint, dass das Wasser kübelweise von Himmel fällt und das nicht nur während des Monsuns. Der Schrank und auch das "Bett" steht auf Backsteinen und das wohl aus gutem Grund, denn das Regenwasser kann ungehindert in die Hütte fließen. Es gibt keine Stufe, wie ich sie in Steinhäusern bei Pawan oder Raju gesehen hatte, an der das Regenwasser abgeleitet wird.

Krishna

Krishna war einer meiner beiden "Beschützer" bei meinem Besuch im vergangenen Jahr. Er und Sarfaraz haben mich an die Hand genommen und sicher durch das Labyrinth der engen und kleinen Nebenstrassen von Howrah geführt. Obwohl ich einen guten Orientierungssinn habe und mich in der Zwischenzeit recht gut auskenne, verliere ich in den kleinen Seitenstrassen, durch die keine Autos aber dafür neben den Fußgängern und Straßenhändlern alle möglichen Zweiräder und Rikschas fahren, schnell jede Orientierung.

Krishnas Eltern leben nicht mehr. Die Großmutter kümmert sich um ihn und sein Schwester.

Die Großmutter ist eine liebenswerte Frau und hat eine ganz besondere Ausstrahlung.; Ich sitze etwas unbeholfen auf einem aus Brettern zusammengezimmertem Lager, auf dem die Bewohner nachts schlafen. Unbeholfen, denn die Großmutter spricht nur Hindi und Krishna ist plötzlich verschwunden.

Krishna vor Soboths und der Hütte seiner Großmutter.

Ich hatte den Jungs meine kleine Digitalkamera gegeben, denn ich war sehr gespannt welche Motive sie auswählen. Sie sehen die Welt mit ganz anderen Augen als ich. Abends sah ich mir ihre Bilder an und fand ich einen sehr eindrucksvollen Schnappschuss.

Subodh hatte das Foto gemacht und es zeigte die Großmutter von Krishna beim Kochen:

Der Gesichtsausdruck dieser liebenswerten alten Frau hat mich sehr fasziniert. Verstehen auch Sie Ihre unausgesprochenen Worte, die sie zu mir sagt?

 

Krishnas Großmutter hockt vor einer Chula und kocht Reis. Auf einem Steinbrett zermahlt sie Gewürze und bereitet so die Soße zu, die dem Reis etwas Geschmack gibt. Natürlich lädt man mich zum Essen ein. Dieser Besuch hat einen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen.


Im März sind Schulferien in Indien, denn das neue Schuljahr beginnt erst im April. Wie schon erwähnt sind die Hostlejungs in der schulfreien Zeit bei ihren Familien - so auch Krishna bei seiner Großmutter.

Links: Krishnas Schwester

 

Ich bin schon einige Wochen wieder in Deutschland als mich die telefonische Nachricht erreicht, dass Krishna erkrankt ist.

Ende März erhalte ich dann von Daniel eine E-Mail mit folgendem ausführlichen Bericht:

"Rundbrief, Hallo liebe Freunde,

gestern Abend sind wir aus unserem Urlaub zurückgekehrt. Bevor ich darüber berichte beschreibe ich erst was Anfang März passiert ist:  

Julius und ich haben gerade mit Dr. Helgo über die Renovierung unserer Zimmer geplaudert, als ich einen Anruf von Asgar bekomme: "Krishna ist mit hohem Fieber auf dem Weg ins Howrah Hospital." Nach diesen Informationen wusste Dr. Helgo sofort, dass schnell gehandelt werden muss. In den vergangenen Jahren sind schon zwei Projektkinder an Fieber gestorben, nachdem sie beim Howrah Hospital abgelehnt wurden.

Als wir am Howrah Hospital ankamen bestätigte sich unsere Befürchtung. Sie haben Krishna weiter zur Uniklinik nach Kalkutta geschickt. Also sind wir dorthin. In der " Empfangshalle " der Uniklinik angekommen konnte man nur Böses ahnen ...... Im Minutentakt wurden tote Menschen auf Metallbetten an uns vorbei geschoben. Ich dachte, dass ich mich in einem Sterbehaus und keinem Krankenhaus befinde.

Spätestens jetzt wusste ich: "Daniel, du wirst kein Arzt! "

Der Anblick einer Notaufnahme eines indischen Krankenhauses war sicherlich eines meiner einschneidensten Erlebnisse hier!

Das Krankenhaus war eigentlich nur eine Halle, in der sich die Patienten hinlegen konnten. Die meisten müssen auf dem Boden liegen, da alle Betten belegt sind. Auch die Behandlung findet nur sehr „minimiert“ statt. Dazu kommt, dass ein Großteil der Medikamente von den Angehörigen selbst gekauft werden muss. Um so beeindruckender fand ich, dass ständig ein Freund, Verwandter, Bekannter den Patienten Trost spendete. Man konnte keinen Kranken sehen, der komplett alleine dort lag. Auch wenn sich die Menschen hier nicht auf ein soziales Netz von staatlicher Seite aus verlassen können; der Zusammenhalt zwischen den Leuten in den Slums Kolkatas ist dafür um so größer.

Nun begannen wir, in dieser völlig überfüllten Halle nach Krishna zu suchen. Plötzlich fühle ich den Handgriff einer alten Frau an meinem Arm und als ich mich umdrehe entdecke ich Krishnas Oma. Sie sah verwirrt aus und hatte Tränen in den Augen. Freudentränen, dass endlich jemand da ist. Schnell bringt sie uns zu Krishnas Bett und versucht mir immer wieder auf Hindi zu erklären, was los war und was jetzt noch passiert. Ich bin auch verwirrt.

Wir kommen im 2. Stock an und dort sehe ich Krishna. Er zittert am ganzen Leib und ist ohnmächtig. Die Ärzte haben ihn provisorisch mit Verbandmaterial am Bett gefesselt, da Krishna immer wieder um sich tritt und schlägt. Er hat sehr hohes Fieber und sein Herz rast ......

Foto: Krishna im Krankenhaus - mit freundlicher Genehmigung Dr. Meyer-Hamme

Als die Ärzte sehen, dass 3 Weiße (Dr. Helgo, Julius und ich) gekommen sind, um einen Patienten zu besuchen scheinen sie ihr Bestes zu geben. Sie kümmern sich alle nur noch um Krishna und teilen uns auf Englisch die neusten Entwicklungen bezüglich Krishnas Gesundheit mit. Auch wir müssen für Medikamente und den „Brainscan“ extra bezahlen.

Ich möchte nicht zu viel spekulieren, aber ich bezweifle, dass Krishna ohne unsere Anwesenheit eine Behandlung erhalten hätte und das Fieber überlebt hätte

Die nächsten 3 Tage besuchten wir Krishna regelmäßig.

Bei einem dieser Besuche brachten wir eine Packung Kekse mit, in der Hoffnung, dass Krishna wieder bei Bewusstsein ist. Als wir uns neben ihn setzten und seine Hand streichelten öffneten sich seine Augen langsam und als er    uns erblickte, formte sich sein Mund langsam zu einem breiten Grinsen.

Von diesem Moment an wusste ich, dass ich während meinen nun schon 8 Monaten hier, ein wirklich intensives Verhältnis zu „unseren Jungs“ aufbauen konnte.

Der Moment im Krankenhaus hat mir unglaublich viel Energie gegeben…..

Nach diversen Bluttests stellte sich dann heraus: Krishna hat Gehirn-Malaria. Doch da sie früh erkannt wurde, konnte sie ohne Probleme behandelt werden.

Durch diese positiven Nachrichten beflügelt konnten Julius und ich dann noch rechtzeitig unsere Zimmer fertig streichen und einigermaßen beruhigt unseren Urlaub antreten. . . . ."

 

Soweit der Auszug aus dem E-Mail von Daniel. In der Zwischenzeit hat er mir bestätigt, dass Krishna wieder gesund ist und nach den Schulferien wieder in die Schule geht.

Roksana Khatoon

Roksana wohnt in den Slums zwischen By Pass und Eisenbahngleise. Bei unserem Besuch waren die Eltern nicht anwesend. Der Vater befördert mit seiner Rikscha Güter, die Mutter trennt aus Schüttgut verwertbare Teile in der Nähe des Müllberges bei Liluah. Damit verfügt das Ehepaar über ein tägliches Einkommen von ca. 100 Rupee.

Bei meinem ersten Besuch begleitet mich Silvester.

Roksana geht in die 2. Klasse der Hindi Medium School in Tikiapara. Die Klasse hat etwa 30 bis 40 Schüler.

Roksana hat noch einen kleineren Bruder, zwei ältere Schwestern und eine jüngere Schwester. Die Älteste ist bereits verheiratet.

Da die Eltern an diesem Samstagnachmittag nicht da sind bitte ich Silvester zu fragen, ob ich Sonntagvormittag wiederkommen darf.

Sonntag werde ich von Reasul, Parkash und Imran, drei größere Jungs aus dem Hostel, die alle gut Englisch sprechen, begleitet. Das gibt meinem Besuch einen weniger offiziellen Charakter. Dazu kommt, dass Reasul und seine Eltern Nachbarn von Roksanas Familie sind.

Wir kaufen als Gastgeschenk indische Süßigkeiten ein und dann geht es in den Slum am By Pass. Der Empfang ist freundlich aber zurückhaltend. Ich bitte Parkasch zu übersetzen, dass ich herzliche Grüße von Dr. Helgo überbringe. Jetzt ist der Bann gebrochen.

Man darf sich nicht vorstellen, dass ich während meines Besuches mit der Familie alleine bin. Nein, natürlich drängen noch einige neugierige Nachbarn in die Hütte. So ein Besuch ist immer eine "öffentliche Angelegenheit". Nachbarn sind allgegenwärtig.

Die sehr einfache Hütte, in der ich sitze, ist aus vielen größeren und kleineren Plastikplanen zusammen gebaut. Die mehrspurige, stark befahrene; Eisenbahnstrecke ist keine 10 Meter entfernt.

Der Boden ist festgestampfter Lehm. In der hintern, rechten Ecke werden Küchengeräte und Vorräte aufbewahrt.

Links davon hängen Kleidungsstücke, ebenso unter dem Dach.

Gekocht wird auf einer Chula, einer kleinen, eimerähnlichen, tragbaren Kochstelle. Die wird mit Kohle, Holzkohle oder einem undefinierbaren Ersatz befeuert.

Der Slum, die Hütten hier sind illegal und stehen auf Regierungsgelände. Latrinen gibt es nicht, die Bewohner des Slums benutzen die nahen Eisenbahngleise zur Verrichtung der Notdurft.

Wasser gibt es aus einem nahegelegenen Brunnen. Die Hütte von Roksanas Familie hat keinen Stromanschluss; nachts ist die einzige Beleuchtung eine kleine Petroleumkerze. Es ist die ärmlichste Behausung, die ich gesehen habe!

Auf dem Foto unten: Roksanas Eltern

Gulnaz Parveen

Gulanz wohnt in dem Seitenstraßengewirr seitlich der Belilious Road, etwa 5 bis 7 Minuten vom Hostel entfernt. Silvester und Daniel begleiten mich. Hier wohnen überwiegend Moslems. Überall gibt es kleine und winzige Geschäfte, Werkstätten und einige Händler verkaufen ihre Waren an Straßenecken. Es ist das typische Straßenbild in Howrah.

Gulnaz wohnt bei ihren Eltern im ersten Stock des Hauses. Der Hauseingang ist unscheinbar; Silvester wäre beinahe daran vorbei gegangen. Das Treppenhaus ist schäbig, aber durch eine Maueröffnung fällt genug Licht hinein. Wie immer, wenn wir eine Wohnung oder Hütte betreten, lassen wir vor der Türe unsere Schuhe stehen. Der kleine Raum ist voll gestopft mit Waren an denen der Vater arbeitet. Gulanz und ihre Eltern sind zu Hause und wie immer drängen sich zu uns noch weitere neugierige Nachbarn mit in die Wohnung.

Wohnung? Ja, es ist ein Zimmer, vielleicht 3 mal 5 Meter groß (15 qm). Im hinteren Teil des Raumes nehmen wir auf einem aus Brettern gezimmerten, etwa 1 Meter hohen Lager Platz.

Hier schläft die ganze Familie. Es gibt noch einen zweiten Raum, die 1 x 2 Meter großen Küche.

Gulnaz setzt sich zu mir und zeigt mir stolz ihre Schulsachen und das letzte Zeugnis. Sie hat alle Fächer bestanden und ein Ergebnis von 592 von 900 Punkten; welches recht gut ist.

Der Vater stellt Armreifen her. Das macht er in dieser kleinen Wohnung auf dem Boden. Hier liegen einige Säcke mit Plastikarmreifen, die noch geformt und verpackt werden müssen. Das erweckt mein ganz besonderes Interesse.; Der Vater von Gulnaz zeigt mir mit Stolz seine Arbeit und lässt mich selbst ein paar Armreifen zusammen packen. Ich habe nicht so geschickte Hände, was natürlich von allen und auch mir mit Lachen quittiert wird.

 

Auf meine Nachfrage hin erfahre ich, dass ein Paket Armreifen für 2 Rupee verkauft wird und pro Tag etwa 60 Pakete hergestellt werden.


Afsa Parveen

Gestern Nacht hat es sehr stark geregnet und auch heute am Vormittag fallen immer mal wieder ein paar Tropfen vom Himmel. Die Luft ist jetzt angenehm, nicht mehr so staubig voller Dreck, Abgase und all den Gerüchen, die mir als Besucher nach 14 Tagen hier zwar vertraut aber trotzdem unangenehm und ungewohnt sind.

Heute traue ich mich mal wieder tief Luft zu holen, denn der Regen hat den ganzen Dreck ausgewaschen. Dafür sind die Straßen und Wege matschig, denn der auf dem Boden liegen Unrat hat sich jetzt in eine Pampe verwandelt.

So hat alles seine Vor- und Nachteile und ich muss aufpassen, dass ich den Sari von Kalyani, nicht beschmutze. Silvester und Kalyani, die beiden Sozialarbeiter, begleiten mich. Es geht wieder kreuz und quer durch enge, schmale und verwinkelte Straßen von Tikiapara. Nach 10 Minuten haben wir unser Ziel erreicht. Der Hauseingang ist, wie überall, stockdunkel. Wir müssen mehrere Stockwerke hoch bis unter das Dach.

 

Die Familie besteht aus den Eltern, 3 Söhnen und 3 Töchtern. Der Vater ist Lastenschieber (Van puller). Auf besonders stabilen, zweirädrigen Karren werden von mehreren Lastenschiebern tonnenschwere Güter, zum Beispiel Stahlstangen, transportiert. Eine feste Anstellung, wie wir sie kennen, gibt es nicht, aber er arbeitet hauptsächlich für eine Fabrik. Damit hat er ein mehr oder weniger regelmäßiges Einkommen von ca. 100 Rupee pro Tag.

Afsa geht auf eine English Medium School. Sie hat gerade ihre Examen, bis auf zwei bestanden. Das reicht für eine Versetzung in die nächste Klasse. Englisch und Soziales sind Ihre Lieblingsfächer.

Asfa ist ein unscheinbares Mädchen, das zwar in der Masse nicht auffällt aber trotzdem über einen liebenswerten Charme verfügt.

Ich schaue mir die Wohnung; etwas genauer an. Dadurch, dass sie im 4. Stock oben unter einem Wellblechdach liegt ist sie zwar recht ruhig aber im heißen Sommer bestimmt sehr warm. Der Wohnraum ist mit 20 qm recht groß, die abgetrennte Küche hat noch mal 1,5 qm. Da gibt es einen großen Wasserbehälter, nein kein fließend Wasser, und Raum für die Chula, der überall üblichen, tragbaren Kochstelle.

ROHAN JOYDAR

Ich kenne Rohan schon von meinem Besuch im Februar 2011. Vor genau einem Jahr hat er mich sehr beeindruckt, mit welch einer Disziplin und Gewissenhaftigkeit, er im Coaching mitgearbeitet hat.

So gab es schon eine kleine Vertrauensbasis als er mich nach der erste Woche meines Besuches ansprach und mir sagte: "Ich wünsche mir sehr einen Brief von meinem Paten". Dieser Wunsch hat mich natürlich sehr bewegt und ich sagte spontan zu ihm: "Warum schreibst du ihm nicht einfach einen Brief?" "Geht das?" fragte er ungläubig. "Klar" sagte ich zu ihm, "Er freut sich bestimmt darüber. Dr. Helgo kommt am 22. Februar und bringt Briefe von allen Paten mit; also auch ein Brief für dich. Ich werde trotzdem dafür sorgen, dass dein Pate deinen Brief bekommt."

So war es beschlossene Sache, dass ich Rohans Brief, zusammen mit ein paar Bildern und Eindrücken über H.E.L.G.O. e.V. an seinen Paten weiterleite.

Rohan ist ein aufgeweckter sehr netter Junge. Er ist etwas robuster gebaut als seine Hostelfreunde. Obwohl seine Familie nur wenige hundert Meter entfernt lebt, wohnt er im Hostel zusammen mit 16 anderen Jungs. Aufgrund des intensiven Coachings ist das praktischer.

Zusammen besuchen wir seine Eltern. Der Eingang ist wie überall stockdunkel. Er schließt die Wohnung auf und ich warte, während er versucht heraus zu finden, wo seine Eltern sind. Ich nutze die Zeit mich umzusehen: Würden wir in Deutschland das Wort Wohnung dafür gebrauchen?

2 Meter mal vielleicht 3 bis 4 Meter, mehr Platz ist nicht. Der hintere Teil besteht aus einem etwa ein Meter hohen, aus Brettern zusammen gezimmertes Lager. Hier schläft die ganze Familie. An den Wänden hängen überall Kleider. Neben dem Eingang stehen Küchenutensilien. Ja, es gibt elektrisches Licht

Leider sind die Eltern heute nicht da und so; hinterlassen wir bei seiner Schwester, dass wir morgen erneut kommen werden.

Die Begrüßung am nächsten Tag durch die Eltern ist sehr herzlich. Sofort wird Tee besorgt und wir trinken gemeinsam aus kleinen, aus Ton gefertigten Tassen Tee, Masala Chai.

Natürlich sollen auch Bilder gemacht werden.

Die ganze Familie, ein Freund von Rohan und ich glaube auch ein Nachbar, sind auf dem Bild zu sehen.

Der gleiche Raum, einmal leer und dann mit der Familie. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen hier auf engstem Raum zusammen leben.

(von links nach rechs: Mutter im roten Kleid, Nachbarin, Schwester, Vater, davor Rohan, sein kleiner Bruder und ein Freund Rohans.)

Es ist ein sehr herzliches Beisammensein und wir verstehen uns auch ohne viele Worte. Der Vater arbeitet in einem der vielen Metallverarbeitenden Betriebe, die es hier überall gibt. Die Mutter scheint am Howrah Maidan, dem Mittelpunkt von Howrah und Haltepunkt fast aller Busse, irgendwo zu kochen.;

Ein Tag vor meiner Abreise bitte ich Rohan noch mal mich zu seinen Eltern zu begleiten. Wir stören sie beim Mittagsschlaf, was bei den tagsüber herrschenden Temperaturen eine sinnvolle Einrichtung ist. Da konnte ich einen kurzen Blick erhaschen, wie eng die Familie auf dem Bretterverschlag beisammen liegt.

Ich übergebe schnell Papierabzüge der Bilder, was mit großer Freude quittiert wird.

Bulbul Kumari Paswan

Silvester und ich fahren mit der Fahrradrikscha nach Liluah, um Bulbul, ein 15-jähriges Mädchen zu besuchen. Sie wohnt mit ihren Eltern direkt in Sichtweite des Müllberges. Als wir die Hütte betreten fällt mir sofort auf, dass es hier besonders ordentlich aufgeräumt und sehr sauber ist. Eine Kombination, die ich jetzt hier weniger vermutet hätte, besonders, da ich hier viele ärmlichere Behausungen besucht hatte. Es gibt sogar einen Fernsehapparat und auch die Küche ist groß und sauber aufgeräumt. Zuhause sind nur Bulbul und Ihre etwas ältere Schwester.

Wie bei fast all meinen Besuchen versuche ich das „Eis zu brechen“ in dem ich den beiden Mädchen Grüße von Dr. Helgo ausrichte. Es reicht nicht ganz, um die Schüchternheit zu nehmen aber ich erkenne ein erstes Lächeln auf den Gesichtern.

Bulbul und auch ihre Schwester sind hübsch und ordentlich und sauber gekleidet.;

Bulbul besucht die 9. Klasse der Hindi Midium School. Ihre Lieblingsfächer sind Hindi und Mathematik. Englisch wird nur als Fremdsprache gelernt und ist daher für ein Gespräch nicht ausreichend.

Hobbies kann sie auch nach kurzer Überlegung nicht nennen, aber sie schaut sich sehr gerne Fußball- und Cricketspiele im Fernsehen an.

Die Familie besteht aus drei Töchtern ( 15, Bulbul, 18 und 22) und einem jüngeren Bruder (12 Jahre). Ein älterer Bruder ist vor etwa einem Jahr (oder auch etwas mehr) gestorben. Keines der (älteren) Mädchen ist verheiratet.

Die "Küche" ist ebenso ordentlich und sauber wie die ganze Hütte.

Auch in diesem Haus gibt es ein aus Brettern gezimmertes Lager, das Besuchern, Silvester und mir, als Sitzplatz angeboten wird. Hier schläft die ganze Familie.

Die Mutter mit Ihren beiden Töchtern und dem Sohn

Bulbul ist mit ihren 15 Jahren das älteste Mädchen, oder besser junge Frau, die ich während meines Aufenthalts besucht habe. Hier merkt man ganz deutlich, dass sich die Hilfe und insbesondere der Schulbesuch bezahlt gemacht haben. Über die Jahre hinweg hat es die

Familie geschafft ihrem Leben etwas mehr Qualität zu geben.

Ein Blick zurück, in dieser Umgebung wohnt und lebt Bulbul

Kinderarbeit oder Chance durch Bildung

Es war mein Anliegen einigen Kinder, die über H.E.L.G.O. e. V. und deren Partnerorganisation HELGO NORTH POINT in Indien unterstützt werden, und auch deren Familien ein Gesicht geben. Es kann nicht mehr als der Versuch sein einen kleinen Eindruck von dem Alltag hier in einer indischen Megastadt zu bekommen. Selbst nach zwei Besuchen hier kann ich das Leben hier nicht wirklich begreifen, denn ich lebe es nicht. Ich kann es gar nicht leben, denn dazu müsste ich es von Kind an gewohnt sein.

Es flößt mir einen unendlichen Respekt ein, wie Millionen von Indern ihr Leben, ihren Alltag meistern, mit Problemen umgehen, mit Krankheiten, die Sorge täglich für die Familie genügend Geld zu erarbeiten, um Essen zu kaufen. Arbeitslosigkeit? Klar gibt es die, überall und auf Schritt und Tritt, trotzdem arbeitet hier jeder irgendwie, um über die Runden zu kommen. Ob als Rikschapuller drüben in Kolkata oder Lastenträger, auch Bettler ist ein Beruf. Und wer krank ist, wird von Verwandten, Nachbarn, soweit es geht, unterstützt. Man hört kaum ein Wehklagen, ganz im Gegenteil, eine beeindruckende; Lebensfreude,; Lachen und Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und eine von mir selten erlebte herzliche Gastfreundschaft, all das; bestimmt den Alltag. Mit lauter Musik werden ausgelassene Feste gefeiert, besonders nachts.;

Der Besuch der Schule, die Fähigkeit Lesen, Schreiben und Rechnen zu können, neben Hindi auch Englisch zu sprechen und zu verstehen, erhöht die Chancen der Kinder den Kreislauf von Armut und Hilfstätigkeiten, in denen ihre Eltern leben, zu unterbrechen. Die Kinder erhalten eine Berufsausbildung und können damit ihr Leben und das der ganzen Familie verbessern.

Wir alle sind gegen Kinderarbeit! Wir alle wünschen Kindern auf der ganzen Welt eine frohe Kindheit und eine Perspektive für das Leben.

Das Projekt von H.E.L.G.O. e. V. bietet die richtige Strategie Kinderarbeit wirksam zu bekämpfen: BILDUNG STATT KINDERARBEIT und Unterstützung der Familien durch Lebensmittel, damit entfällt der Anreiz und Grund für die Kinderarbeit.

Boykott von Staaten die Kinderarbeit tolerieren, von Kindern hergestellter Produkte, oder Händler, die diese verkaufen halte ich persönlich für den falschen Weg. Boykott schadet immer dem Kind und dessen Familie und gibt den Betroffenen keine dringend benötigte Hilfe.

Darum helfen auch Sie H.E.L.G.O. e. V. helfen.

Als Mitglied und damit Pate aller Kinder oder als Pate für ein Kind.

Gerne berichte ich Ihnen persönlich über die Familie, das Kind und dessen schulische Entwicklung. Schreiben Sie mir Name und Projekt Nummer Ihres Patenkindes und was Sie ganz besonders interessiert.

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Jeder Euro zählt und Ihre Spende kommt ohne Abzug von Verwaltungsgebühren bei den Kindern an, denn alle Mitglieder der H.E.L.G.O. – e. V. arbeiten ehrenamtlich.

Sie möchten Pate werden oder H.E.L.G.O. e.V. dauerhaft unterstützen?

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.helgo-ev.de

BITTE HELFEN AUCH SIE:; Spendenkonto von H.E.L.G.O.; e.V.; Hamburg

Konto Nr.: 4780 888 COMMERZBANK AG, Hamburg, BLZ 200 400 00 .
IBAN: DE28 2004 0000 0478 0888 00 BIC: COBADEFFXXX .

 

Vielen Dank für Ihr Interesse.

Albert Schneider, Höchster Strasse 7, 65203 Wiesbaden

Telefon: 0611 - 690 1910 – E-Mail: Schneider.Albert[at]gmx.de

Ich informiere Sie auch zukünftig gerne über Neuigkeiten bei HELGO. Bitte schreiben Sie mir. Vervielfältigung und Weitergabe gestattet und erwünscht.

Franz von Assisi:

Gegen die Nacht können wir nicht ankämpfen, aber wir können ein Licht anzünden.

Foto: mit freundlicher Genehmigung: Manuela & Magali - http://www.yallah.lu

Foto: mit freundlicher Genehmigung Julius (Freiwilliger in Howrah)