H.E.L.G.O. e. V. in Hamburg

H.E.L.G.O. Child Labour Project - Kolkata

Besuchsbericht 2014

Vom 15. bis 27. Februar bin ich wieder in Howrah und Kolkata

Am 15. Februar 2014 lande ich planmäßig mit Air India Flug AI020 auf dem neuen Flughafen in Kolkata. Es ist 16.30 h Ortszeit; die Anreise erfolgte mit einem Direktflug von Frankfurt/M. nach Delhi, dort Aufenthalt und dann noch mals rund 1 3/4 Stunden weiter nach Kolkata. Alles hat problemlos und planmäßig geklappt. Die Einreise und Passkontrolle in Kolkata war nach 5 Minuten erledigt, mit Koffer und Auftrag für das PrePaid Taxi startete ich kurz nach 17.00 h meine Fahrt durch das Verkehrschaos von Kolkata über die Howrah Bridge in das Projekt von H.E.L.G.O. e. V.

Natürlich ist mein erstes Ziel am Montagmittag das Coaching Center in Liluah. Hier erwarte ich Rahul, der bis ca. 11.30 h Schule hat und gegen 13.00 h zum Mittagessen und danach Unterricht in das Coaching Center kommt.
Wow, Rahul ist seit unserem Treffen vor einem Jahr groß geworden! Da ich hier den Ablauf nicht stören möchte verabrede ich mit ihm am kommenden Tag ihn bei seiner Mutter zuhause zutreffen.

18.2.2014 - Ich habe Rahul ein T-Shirt mit einem Foto (Rahul auf der Achterbahn während unseres Besuches im Nicco Park) aus dem vergangenen Jahr mitgebracht. Das T-Shirt wird von Nachbarn und Freunden genau begutachtet.

Die Mutter kocht mir, wie üblich, eine Tasse Tee, gebe ihr die mitgebrachte Schokolade und zeige ihr die Bilder von Rahuls Besuch im Nicco Park. Obwohl wir keinen Dolmetscher haben verstehen wir uns und der Besuch ist sehr herzlich.

18.2.2014 - Kareena

Kareena kenne ich seit meinem ersten Besuch im Jahre 2011. Damals habe ich sie für einen kleinen Jungen, wegen ihrer kurzen Haare, gehalten. Ich habe sie auf dem Müllberg gesehen. Als ich ein Jahr später ein Bild von ihr zeigte und fragte, wer dieser "Junge" sei wurde mir Kareena, als Projektkind vorgestellt. Sie ist ein ganz besonderer "Sonnenschein" mit einem bezaubernden Lächeln.
Natürlich ist auch Kareena groß geworden und heute unverkennbar ein Mädchen mit lockigem Haar.
Ich bin nicht ihr Pate! Das Kind hat mich vom ersten Zusammentreffen auf dem Müllberg berührt daher berichte ich gerne auch über ihren Werdegang.


Mit einem Sozialarbeiter besuche ich auch Kareenas Hütte und treffe ihren Vater. Die Hütte ist sehr klein und aus Plastikplanen und Bambusmatten gebaut. Sie liegt an einem Zufluss zu einem kleinen See; das Wasser ist schwarz und übelriechend, da es direkt vom nahegelegenen Müllberg kommt. Auf der anderen Seite des Baches wächst auch ein neuer, noch relativ kleiner Müllberg.

19.2.2014 - Krishnas Großmutter

In den vergangenen 2 Jahren habe ich immer mit 4 Jungs aus dem Hostel deren Eltern in Liluah besucht. Einen besonderen Platz hat dabei immer Krishnas Großmutter!
Diese, bestimmt 70 jährige, alte Dame beindruckt mich immer wieder. Da ich von meinem letzten Besuch Abzüge von Bildern gemacht habe, möchte ich ihr diese heute geben. Krishnas Oma wohnt zwar nicht weit weg vom Coaching Center, aber in dem Labyrint der Gassen kann man schnell die Orientierung verlieren. Zwei Jungs bringen mich hin. Leider ist die Hütte verschlossen, die Großmutter nicht da. Wir fragen die Nachbarn. Sie ist noch arbeiten; ich werde noch 2 Straßen weiter zu einem metallverarbeitenden Betrieb geführt. Dort sehe ich sie arbeiten. Ich gehe auf sie zu; sie erkennt mich wieder und ich zeige ihr das Foto ihrer Enkel. Ganz ungläubig schaut sie auf das Foto, schaut mich an und gibt mir zu verstehen, dass ich mit ihr zu ihrer Hütte gehen soll.
Dort angekommen soll ich mich auf eine Holzpritsche setzen, ihr "Bett" und sie beginnt sofort Tee zu kochen.

So sitzen wir dann in wortlosen Einverständnis auf der Pritsche und trinken Tee. Es ist eine seltsame Situation. Sie schaut immer wieder auf das Foto ihrer Enkel, ich glaube sogar sie wicht sich eine Träne ab. Dann lächelt sich mich mit ihren zufriedenen, dankbaren Gesichtszügen an.
Vor einem Jahr hatte ich das Foto gemacht. Ich glaube, ich konnte ihr eine besondere Freude damit machen.

19.2.2014 - Rohit Singh

Mein Besuch bei Rohit Singh verläuft leider etwas chaotisch. Das Coaching Center verlassen wir im Gefolge einiger Kinder und als wir an der Hütte von Rohit ankommen gibt es ein dichtes Gedränge. Natürlich sind auch Nachbarn auf meinen Besuch aufmerksam geworden. Der Platz vor der Hütte ist voller Menschen, sodass ich kaum erkennen kann, wer Rohit und seine Mutter sind. Silvester stellt mich dann vor und berichtet, dass ich im Auftrag der deutschen Patin komme, die mich gebeten hat während meines Besuches in Howrah auch ihr Patenkind zu besuchen. Ich übergebe der Mutter eine Tafel Schokolade und frage, ob ich ein paar Fotos für die Paten machen darf.

Rohit ist 6 Jahre alt und hat noch 2 jüngere Schwestern. Der Vater, der auch einige Jahre eine Schule besucht hat, arbeitet in einer Metallverarbeitenden Fabrik; die Mutter arbeitet auf dem Müllberg, ist Hausfrau und kümmert sich um die Kinder. Das Einkommen des Vaters liegt bei ca. 2 bis 3.000 Rupee pro Monat, dazu kommen etwa 1.000 Rupee der Mutter für ihre Arbeit auf dem Müllberg.



Die Familie lebt in einer kleinen Bambushütte in Liluah in Sichtweite des großen Müllberges. Wasser gibt es nur an einer zentralen Wasser- und Waschstelle wenige Minuten von der Hütte entfernt. Diese Waschstelle wurde im vergangenen Jahr so umgebaut, dass die Frauen sich in einem vor den Blicken der Männer geschützten Teil waschen können.

Rohit wird seit 20.12. 2012 durch das H.E.L.G.O. Projekt unterstützt und geht in die Nursery Class, eine Vorschule der Hindi Medium School. Bis zur Einschulung hat er seiner Mutter auf dem Müllberg als Müllsammler geholfen.

Heute, am 21.Februar, habe ich Gelegenheit dem Zusatzunterricht im Coaching Center zuzusehen. Der Unterricht beginnt um 11.00 h mit einem gemeinsamen Lied, meist der National Hymne, wie man mir mitteilt.

Ich möchte den Unterricht sowenig wie möglich stören; trotzdem wird natürlich jeder meiner Bewegungen von den Kindern registriert, besonders wenn der Fotoapparat zum Vorschein kommt.



Nach dem Lied geht die Lehrerin mit jedem Kind die Hausaufgaben durch. Während dieser Zeit beschäftigen sich die anderen Kinder mit Lesen oder sie schreiben in ihre Hefte.
Rohit sitzt in der zweiten Reihe, insgesamt sind etwa 20 Kinder in der Klasse.
Nach der Hausaufgabenkontrolle kommt ein Junge nach vorn an die Tafel und soll das englische Alphabet aufsagen, nach jedem Buchstaben wiederholen ihn alle Kinder im Chor. Natürlich kommt es auch zu Fehlern, besonders die Buchstaben U, V und W bereiten bei einigen Schülern Schwierigkeiten.

Auch Rohit wird an die Tafel gerufen. Er kann das Alphabet ohne zu stocken aufsagen und soll danach einige, von der Lehrerin benannte, Buchstaben auf der Tafel zeigen. Nach kurzem Überlegen findet er jeden Buchstaben.

Mit Lob und Applaus aller Kinder geht er stolz zu seinem Platz zurück.

19.2.2014 - Subodh Paswan

Mein Besuch bei Subodh liegt schon einige Tage zurück. Seitdem habe ich ihn aber öfter im Coaching Center in Liluha gesehen und, da wir uns jetzt etwas kennen gelernt haben, kommt er immer auf mich zu wenn wir uns sehen.

Soweit ich den Sozialarbeiter verstanden habe hat Subodh keinen Vater mehr. Die Familie lebt bei der Schwester der Mutter und deren Ehemann in einem Haus aus Stein. Es liegt am Rande der Siedlung in Liluha. Die Hütte liegt nahe an einem Bach der unweit des Hauses in einen See mündet. Der Nahe See mag schön aussehen, aber das Wasser ist verschmutzt und ich könnte mir vorstellen, dass die Mückenplage manchmal nicht angenehm ist, besonders in der Monsunzeit. Der Müllberg ist immer in Sichtweite.
Seine Mutter hilft bei einer Familie im Haushalt. Er hat noch einen Bruder und eine Schwester. Subodh ist etwa 10 Jahre alt und geht in die 4. Klasse einer Hindu Medium School. .

Bei meinem Besuch waren sowohl die Mutter als auch Schwester und deren Ehemann anwesend.
Subodh kam gerade aus der Schule und war auf dem Weg zu täglichen Mittagessen und anschließenden Zusatzunterricht im Coaching Center.
Ich bitte Silvester, den Sozialarbeiter, zu übersetzten, dass ich im Auftrag der Patin in Deutschland komme und herzliche Grüße ausrichten soll. Ich zeige der Familie ein Bild der Patin auf dem der Sozialreport und das von Subodh gemalte Bild zu Weihnachten abgebildet ist. Subodh erkennt das Bild und sagt etwas zu seiner Mutter, das ich leider nicht verstehen kann. Natürlich bekommt auch Subodh eine Tafel Schokolade und dann ist leider der Besuch schon zu Ende.


Subodh und seine Mutter

Subodh Tante und Onkel und deren Tochter

Nachmittags sehe ich dann Subodh beim Zusatzunterricht im Coaching Center. Silvester, der auch als Lehrer arbeitet, bespricht mit ihm seine Hausaufgaben.





Am 27. 2. 2014 geht es für 26 Kinder zum ersten Mal in deren Leben ans Meer nach Tajpur bei Digha. Subodh steht mit auf der Liste der Kinder, die dieses Jahr mitfahren dürfen. Um 6.00 h morgens geht es mit dem Bus, einigen Sozialarbeitern, den beiden Freiwilligen los. Ein solcher Kurzurlaub, meist ans Meer, findet jedes Jahr statt und es wird darauf geachtet, dass jedes Kind regelmäßig mitfahren darf. Bilder dazu folgen.

26.2.2014 - Konzert und Zauberei in Liluah

Swapan Bhattacharya ist ein international bekannter Tablist. Er leitet Musikschulen in Hamburg und Kolkata und gibt auch Konzerte in Europa und Nordafrika. Ich hatte ihn vor meiner Reise nach Indien gebeten, ob er eine kleine Kostprobe seiner Kunst vor den Kindern im Coaching Center in Liluah geben kann.


Swapan Bhattacharya (links) und seine Schüler in Liluah

Swapan Bhattacharya hat mich, zusammen mit 2 anderen indischen Künstler: Anjan Saha (Sitar) und Kaberi Sen (Odissi Tanz), während deren Europatournee in Wiesbaden besucht. Für meine Freunde und Nachbarn haben sie uns ein Gartenkonzert gegeben. Gartenkonzert "Der Biebricher, Ausgabe 271 vom Juni 2014 "

nach klassischer indischer Musik gab es als besonderes Highlight für die Kinder noch eine Vorstellung eines Zauberers.


Dr. Meyer Hamme musste sich für einen der ersten Zaubertricks zur Verfügung stellen


Der Zauberer verteilt herbeigezauberte Süßigkeiten und Kekse