H.E.L.G.O. e. V. in Hamburg

H.E.L.G.O. Child Labour Project - Kolkata

Besuchsbericht 2013

Diesmal eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Tage

09. Februar 2013 - 1. Tag auf dem Weg zu Rahul nach Liluah.

Am späten Nachmittag des 8. Februar 2013 lande ich nach einem langen Flug mit Zwischenstopp in Delhi endlich in Kolkata. Hier möchte ich für 9 Tage das Hilfsprojekt von H.E.L.G.O. e. V. in Howrah besuchen. Dieses Mal wurde ich von dem Leiter der indischen Organisation HELGO NORTHPOINT, Dr. Razzaque, abgeholt und er hatte als besondere Überraschung für mich Rahul, mein Patenkind, mit dabei. Für Rahul war das ein besonderes Erlebnis, denn die Gelegenheiten mit einem großen Auto durch die Stadt zu fahren ist für einen ehemaligen Kinderarbeiter nicht sehr häufig.

Auf der Rückfahrt in die Stadt setzten wir ihn dann in Liluah ab, nicht ohne mich mit ihm für den nächsten Tag nach der Schule im Coaching Center zu verabreden.

Schule ist von Montag bis Samstag. Auf meiner Fahrt mit der Fahrrad nach Liluah konnte ich nicht widerstehen einige Situationen, die hier gang und gebe sind, erneut mit meiner Kamera einzufangen.

Ein Junge, wohl auch im Alter von Rahul, muss mit seinem Vater zusammen einen schweren Stein auf der Rikscha transportieren.

Ein anderer Rikscha Fahrer verschlief beinahe seinen Fahrgast.

Eine alte Frau sortiert verwertbare Metallreste.

Schweißen ohne Schutzbrille, das ist hier überall an der Tagesordnung; die in Deutschland üblichen Arbeitsschutzbedingungen kennen und interessieren hier niemand.

Ja, auch der Müllberg ist größer geworden, aber das Leben darauf hat sich seit meinem letzten Besuch nicht geändert.

Willkommen zurück hier in Howrah. Ein Leben am Rande der indischen Gesellschaft. Ein Leben voller Entbehrungen wie wir es uns nur schwer vorstellen können.

Beim gemeinsamen Mittagessen sehe ich viele bekannte Gesichter wieder.
Das Mädchen im hellgrünen Shirt ist Kareena Paswal! Im meinem Besuchsbericht vom vergangenen Jahr habe ich über sie berichtet: "Ein Sonnenschein".
Die Mädchen und Jungs sind groß geworden. Ein Jahr macht in diesem Alter viel aus.

Hier die Tochter der Küchenfrau. Das kleine Bild daneben ein Foto aus 2011!

Als kleines Geschenk habe ich Rahul ein Fotopuzzel mitgebracht. Es ist Schnappschuss von ihm, das ich im vergangenen Jahr aufgenommen habe. Stolz präsentiert er es seinen Freunden.

10. Februar 2013 - 2. Tag im Nicco Park.

Auch wenn die Kommunikation zwischen Rahul und mir in Englisch noch nicht so klappt, wie man es vielleicht nach 3 Schuljahren annehmen dürfte, vermute ich doch stark, dass Rahul dem 10. Februar entgegengefiebert hat.
Mitte Januar habe ich die Betreuer in Howrah gebeten Rahul mit zuteilen, dass er und 5 seiner Freunde von mir zu einem Tag im Nicco Park eingeladen wird.
Dazu gehörte auch, dass die Eltern der Jungs informiert und deren Erlaubnis eingeholt wurde.
Für diese Vorarbeit und die Organisation im Vorfeld bedanke ich mich bei allen Beteiligten.
Der Nicco Park ist ein Freizeitpark in Kolkata, viel kleiner als wir sie hier in Deutschland kennen. Für Jungs aus den Slums ein schier unbezahlbares Vergnügen, wenn man bedenkt, dass der Eintritt pro Kind etwa einem Wochenlohn seiner Eltern entspricht.

Rahul ist begeistert!

Um 10.00 h sind wir, Moritz und Oliver, die beiden Freiwilligen und Imran, ein älter, gut Englisch sprechender Junge aus dem Hostel, in Liluah. Mit Rahul und seinen 5 Freunde sind wir jetzt insgesamt 10 Personen.
Wir haben für heute einen großen Wagen gemietet, der uns alle schnell auf die andere Seite des Flusses, Hoogly, nach Kolkata bringt.
Unsere Eintrittskarten werden uns in Form eines Papierbändchen um das Handgelenk geklebt.
Aber dann geht es los und da zu diesem frühen Zeitpunkt nur wenige Besucher im Park sind, kommen wir auch fast überall schnell an die Reihe.

Eine Achterbahn, die auch noch durch Wasser fährt ist eine der ersten Attaktionen.
Ohne lange Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen, können wir gleich mehrmals hintereinander damit fahren.

Die Bilder sagen mehr als 1.000 Worte!

Bei einer kurzen Pause gibt es Cola für alle!

Es gibt viele Karusells und es gibt auch Jungs, denen dabei schnell übel wird!

Es dauert nur wenige Minuten und alle sind wieder toppfit, denn die nächste Attaktion will erobert und erkundet werden.

Diesmal sind wir mit drei Tretbooten auf einem künstlichen See unterwegs. Moritz, Oliver und ich haben die Jungs auf die drei Boote aufgeteilt. Sie alleine fahren zu lassen wäre hier zu gefährlich, da keiner schwimmen kann.

Ein ereignisreicher Tag geht für uns alle zu Ende. Erschöpft und müde verlassen wir den Park.
Was mich am meisten gewundert hat ist: Keiner der Jungs ging verloren.
Morgens, beim Betreten des Freizeitparks haben wir einen Treffpunkt ausgemacht, falls wir uns aus den Augen verlieren.
Fehlanzeige! Alle blieben zusammen, keiner tanzte aus der Reihe!
Die Jungs waren sensationell "pflegeleicht"!
Imran, unseren junger Übersetzer von Englisch ins Hindi, hatte kaum was zu tun!
Alles hatte problemlos geklappt.
Natürlich gab es auch Mittagessen! Da konnte sich jeder das Gericht auswählen, das er am liebsten essen wollte.
Ich wäre noch etwas länger geblieben, aber ich merkte, dass die Jungs nicht mehr aufnehmen konnten. Sie waren müde.

12. Februar 2013 - 4. Tag Neue Schuluniformen für Kinder aus Tikiapara

Warten auf die Anprobe für die Schuluniform.

Sarman bekommt seine neue Schuluniform.

14. Februar 2013 - 6. Tag Vorbereitung auf Vasant Panchami

Morgen, am 15. Februar, ist Feiertag. Es wird das Hinduistische Fest Vasant Panchami gefeiert.
Hinduistische Pujas sind meist mit den Jahreszeiten verflochten. Vasant Panchami markiert, ähnlich wie Holi, den Beginn des Frühlings (Vasant).
Am fünften Tag (Panchami) des Hindumonats Magha (nach modernem Kalender Januar/Februar) feiern die Menschen, besonders im Osten des Subkontinentes, dieses Fest.

Und dazu gehört, dass am Vortag kein Coaching stattfindet, sondern der Schulungsraum gründlich sauber gemacht wird.

Mir scheint, dass wir hier in Deutschland eine andere Auffassung davon haben, wie man einen Raum gründlich reinigt.
Aber! wir sind ja in Indien! Und die Jungs haben einen höllisch Spaß dabei und sind mit Eifer bei der Sache.

Nach der großen Reinigungsaktion wurde der Schulungsraum für die Vasant Panchami Puja geschmückt.

15. Februar 2013 - 7. Tag Freitagsmeeting im Hostel

Freitags wird seit einigen Wochen ein Meeting aller Hostelboys mit Asgar Ali, dem Hostel-Vater, und auch den beiden Freiwilligen, Moritz und Oliver, abgehalten. Hier sollen aktuelle Anliegen, Probleme aber auch Streitigkeiten innerhalb des Hostels oder der Schule besprochen werden. Jeder der Jungs darf, nein soll, sich zu Wort melden.
Da kommen dann auch mal Vorschläge nach mehr Freizeit oder weniger Nachhilfestunden. Alles wird ausgiebig diskutiert.
Asgar findet immer die richtigen Argumente.

Auch den Hosteljungs habe ich aus einem Gruppenfoto, das ich während meines letztjährigen Besuchs aufgenommen habe, ein 100 teiliges Puzzle erstellen lassen. Das Meeting war der geeignete Zeitpunkt es allen zu übergeben.
Natürlich würde nach dem Meeting eifrig gepuzzelt und ich war erstaunt mit welcher Konzentration und Schnelligkeit das Bild zusammengesetzt wurde.

16. Februar 2013 - 8. Tag Morgens beim Fussballtraining der Hosteljungs

Samstags ist Fußballtraining angesagt! Und dazu wurde sogar ein richtiger Trainer engagiert!
Hier geht es zu wie bei den Profis in der Bundesliga; zuerst müssen sich die Spieler aufwärmen.

Auch wenn die Begeisterung bei einigen Platzrunden sich noch in Grenzen hält; alle machen mit!

Aber dann geht es endlich richtig los: die Ballabgabe wird geübt und danach gibt es auch ein Fußballspiel.

16. Februar 2013 - Besuch im Slum von Shibpur und Shalimar

Mit einem Sozialarbeiter treffen wir uns heute in Howrah Maidan, einem großen Platz und Verkehrsknotenpunkt in Howrah. Wir, das sind Moritz, Oliver und ich, sowie einem "German Doctor" und dessen Familie sowie einem jungen Deutschen, der bei der Deutsch-Indischen Handelskammer in Kolkata arbeitet. Eigentlich eine viel zu große Gruppe für einen Slumbesuch.
A) Tikiapara, Bellilious Road
B) Howrah Maidan
C) Shibpur
D) Shalimar


Größere Kartenansicht

Shibpur und Shalimar liegen im Süden der Stadt. Mit 2 Taxis sind wir schnell am Ziel. Von dort geht es dann mit der Fahrradrikscha und zu Fuß weiter.

Der indische Sozialarbeiter ist hier gut bekannt. Wir werden neugierig umringt und die Kinder wollen fotografiert werden und freuen sich, wenn wir ihnen ihre Bilder auf den Displays der Kamera zeigen.

Mir erscheint, dass dieser Slum noch armseliger ist als der in Liluah.

Das "Badezimmer" hier im Slum befindet sich, wie in allen armen Gegenden, auf der Straße.
Frauen behalten dabei immer ihren Sari an. Privatsphäre ist etwas, das es in den Slums nicht gibt.
Aktuell sind es angenehme 23 C. Im Dezember und Januar kann es schon mal auf unter 10 C abkühlen, dafür steigen die Temperaturen im indischen Sommer ab März, April auf 40 C und mehr.
Und während des Monsun? Ja, da kann schon mal die ganze Straße und auch die Hütte knöcheltief unter Wasser stehen. All das sollte man bedenken, wenn man sich diese Bilder ansieht.

Ich würde gerne wissen, was dieses Mädchens und all die anderen Menschen hier denken, wenn sie uns hier durch ihr "Zuhause" gehen sehen.

Ich weiß nicht ob dieses Mädchen Mutter oder Schwester des kleinen Jungen ist. Der "German Doctor" aus Bayern sagt die geschwollene Lippe des Jungen könnte ein Geschulst sein; es müsste halt untersucht werden. Eine Untersuchung bei den "German Doctors" ist zwar kostenlos, aber nicht alle kennen diese Möglichkeit und ein indischer Arzt oder Behandlung ist jenseits aller finanziellen Möglichkeiten dieser Menschen.

Die Enge hier ist für uns unvorstellbar. Die Hütten stehen dicht beieinander. In der Mitte des maximal 2 Meter breiten Weges verläuft ein Abwasserkanal in den alles hineingeleitet wird. Der Geruch hier ist nichts für empfindliche Nasen.

Das Essen wird vor der Hütte zubereitet, da es da heller ist; in den Hütten gibt es nur selten elektrischen Strom. Und der für uns selbstverständliche Wasseranschluß ist im "Badezimmer" auf der Straße. Für die Entsorgung des Abfalls dient auch der Abwasserkanal.
Übrigens, der wird natürlich ab und zu auch sauber gemacht, damit es keine Staus und Überschwemmung gibt.
Das machen die, die in der indischen Hierarchie noch tiefer stehen: die Parias, die niedrigste Kaste der Hindus.

Das alles heißt natürlich nicht, dass man hier nicht auf sein Äußers achtet! Ganz im Gegenteil, Hygiene ist öffentlich.

Obwohl ich bei meinen Besuchen in Liluah und dem Slum am Bypass in Tikiapara all das schon gesehen habe, macht mich dieser Besuch hier sehr betroffen.
Es geht mir, es geht uns hier in Deutschland verdammt gut!

17. Februar 2013 - 9. Tag 4 Freunde - Besuch Liluah

Heute ist der letzte Tag meines Besuchs hier in Howrah bei H.E.L.G.O. e.V..
Es ist Sonntag, natürlich auch in Indien ein schulfreier Tag und daher habe ich einigen Jungs aus dem Hostel versprochen mit ihnen ihre Familien in Liluah zu besuchen.
Bis auf Shiv sind es die gleichen Jungs (Raju, Parwan und Krishna), mit denen ich das auch letztes Jahr gemacht habe.
Alle Jungs leben im Hostel und sind nur in den Schulferien bei ihren Eltern in Liluah.

Zuerst besuchen wir die Familie von Shiv. Sein Vater ist leider arbeiten, aber seine Mutter und die beiden Schwestern freuen sich über den unerwarteten Besuch.

Nach einem Sehtest im Hostel haben einige Jungs neue Brillen bekommen. Shiv hat sich ein schicke rote Brille ausgesucht, die er jetzt mit Stolz trägt, denn einen Sehtest zu machen oder eine erforderliche Brille zu kaufen, das Glück haben hier nur sehr wenige Kinder oder Erwachsene. Für H.E.L.G.O. e.V. ist das selbstverständlich.

Der nächste Besuch gilt der Familie von Raju. Man erkennt mich sofort wieder, vor einem Jahr hatte ich die Mutter und Rajus Schwester kennen gelernt. Diesmal habe ich Glück, denn der Vater und die beiden älteren Brüder sind auch da. Es ist eng für so viele Personen in der Hütte. Die Vorbereitungen für das Mittagessen werden unterbrochen und stattdessen Tee gekocht. Alles auf der Chula, diesem mit Kohle befeuerten "Eimer", der komischerweise garnicht raucht.

Natürlich muss ich Fotos von der Familie machen!
Von links nach rechts: Mutter und Schwester, daneben die beiden großen Brüder und Raju neben seinem Vater.

Oben: Mutter und Schwester von Raju sowie sein älterer Bruder.
Unten: Ein stolzer Vater mit drei Söhnen.

Leider kann ich die Abzüge der Fotos Rajus Familie und auch den anderen Familien erst in einem Jahr übergeben! Aber das werde ich auf keinen Fall vergessen!

Ein großes Hallo gibt es auch bei Pawans Familie.
Die verheiratet Schwester und ihr Mann sowie deren kleine Tochter sind gerade anwesend.

Man wird vielleicht fragen "Die warme Mütze bei dem Kind? Warum sind die alle so dick angezogen?"
Es ist heute recht kühl! Nur um die 10 bis 15 C; und es regnet.

Natürlich werde ich auch hier auf eine Tasse Tee (Chai) und Kekse eingeladen.
Pawan und sein Vater.

Meinen letzten Besuch statte ich bei der Oma von Krishna ab.
Die Güte und Zufriedenheit, die diese alten Frau ausstrahlt, hat mich schon im vergangenen Jahr fasziniert.

Krishna mit seiner hübschen Schwester.

Auch Krishnas Oma bereitet gerade das Mittagessen zu.
Alles auf dem Boden und in der Hocke.
Und natürlich wird auch hier Reis, Gemüse und Chapati (nacheinander) auf der Chula zubereitet.

Krishnas Oma wohnt in der ärmlichsten Hütte, die ich heute besucht habe. Die Ausstrahlung dieser Frau ist einfach unbeschreiblich. Auch ohne viele Worte mit ihr (über Krishna) wechseln zu müssen verstehen wir uns gut.

Besonders interessiert schaue ich zu wie sie das Essen für Krishna und seine Schwester auf der Chula zubereitet.
Ja, ich werde auch zum Essen eingeladen.

Krishnas Schwester.

17. Februar 2013 - Abends, Abschied im Hostel

Nach unserem Ausflug nach Liluah finde ich den Rest der Jungs im Hostel.

Unter der Anleitung von Moritz und Oliver basteln sie Astronautenhelme.

Dazu werden zuerst Luftballons aufgeblasen und diese mit Tapetenleim (hatte ich extra aus Deutschland mitgebracht) und Papierstreifen überklebt.
Nachdem die Papierstreifen ein paar Tage ausgetrocknet sind, ist das Papier so hart, dass man der Helm ausgeschnitten und bemalen werden kann.
Rechts: Die Blicke der Küchenfrau sprechen Bände.

Das ist natürlich nicht nur ein großer Spass, sondern auch eine große Sauerei, denn der Leim bleibt nicht nur auf den Ballons.

Jeder ist mit großem Eifer dabei seinen Austronautenhelm zu basteln.

Und auch Raju und Chiv sind begeistert dabei.

Moritz und Oliver, die beiden Volontäre, haben viele solcher Ideen, um die Jungs an einem schulfreien Sonntag zu beschäftigen.
Und es braucht starke Nerven, um sich gegen eine Meute von zurzeit rund 19 Jungs durchzusetzen. Und das machen sie wirklich sehr gut.
Herzlichen Dank dafür.

Im Blog der Freiwilligen http://die-freiwilligen.blogspot.de/ kann man sich Bilder ansehen, wie das Resultat dieser Bastelarbeit ausgesehen hat. Ich sage nur toll!!

Leider muss ich mich heute verabschieden, denn Morgen um 6.00 h geht mein Flieger nach Kerala.

Sarman, das Patenkind von Daniel (bis August 2012 hier Volontär), fühlt sich hier im Hostel sichtlich wohl.