Verein ali sk e.V.

Verein ali sk e.V.

Aktion Lebenshilfe für Indiens Straßenkinder

Frankfurt / Santoshpur /Kolkata - Indien

Karin und Michael habe ich Sonntag, 23.2.2014, am Flughafen in Kolkata abgeholt. Vor unserer gemeinsamen Rundreise
"20 Tage Rajasthan" wollen sie Kolkata und das H.E.L.G.O. Projekt kennen lernen. Schon in Deutschland hatten wir darüber gesprochen ein zweites Projekt zu besuchen, ali sk e.V. - Aktion Lebenshilfe für Indiens Straßenkinder. Ich hatte bereits kurz nach meiner Ankunft in Indien telefonischen Kontakt mit Wolfgang Müller, der hier in Kolkata dieses Projekt seit Ende der 90er Jahre leitet, um einen Besuchstermin zu vereinbaren. Karin griff das Thema erneut auf und hatte kurz entschlossen einen Termin für heute, Dienstag, 25. Februar um 15.00 h ausgemacht.
Wir kennen zwar die Adresse aber wer einmal in Indien war weiß, dass das keine Garantie ist, das Ziel auch zu erreichen. Zuerst dirigieren wir unseren Taxifahrer vom Zentrum von Kolkata nach Santoshpur, einem im Südwesten der Stadt gelegenen Vorort. Soweit so gut, aber von einer East Road hat der Taxifahrer noch nie was gehört. Während Karin und der Taxifahrer gefühlt wohl bestimmt 20 Passanten oder mehr nach dem Weg fragen, versuche ich das Projekt telefonisch zu erreichen, damit man uns, möglichst auf Hindi oder Bengali, bzw. unserem Taxifahrer den Weg zu dem Projekt erklärt. Karin und der Taxifahrer sind schneller als ich, denn plötzlich sage Karin: "Hier ist es, 17A, East Road." Ich bin sehr beeindruckt von Karins Beharrlichkeit.


2 ehemalige Strassenkinder - heute fleißige Schüler, die für eine Prüfung lernen.

Um dieses kleine Abenteuer nicht wiederholen zu müssen, bitten wir den Taxifahrer 2 Stunden auf uns zu warten, was er für ein ordentliches Trinkgeld auch macht.

Wo sind wir hier in Santoshpur?
In der Hektik der Suche und dem Versuch telefonisch Kontakt herzustellen, haben wir gar nicht darauf geachtet wie sich das Stadtbild verändert hat und wie es hier aussieht. Santoshpur scheint ein sehr sauberer Vorort von Kalkutta zu sein, so ganz anderes als wir es um den rund 12 km entfernten Esplanade mit seinen Touristenhotels her kennen. Ein richtig schöner Stadtteil, ruhig und hier in der Seitenstrasse sogar ohne Autolärm und Hektik und gar nicht zu vergleichen mit den Wohnhäusern in Howrah oder den Slums in Liluah. So etwas habe ich in Kolkata überhaupt nicht vermutet.

Wolfgang Müller (im nachfolgenden beschränke ich mich auf den Vornamen) empfängt uns sehr freundlich und zeigt uns, mit berechtigtem Stolz, was er in den vergangenen rund 15 Jahren aufgebaut hat. Aufgebaut mit Hilfe seiner deutschen Unterstützer der ali sk e.V. - Aktion Lebenshilfe für Indiens Straßenkinder.

Was wir in den kommenden 2 Stunden sehen bringt unser / mein Bild von Straßenkindern doch sehr ins wanken. Die Kinder und Jugendlichen, die wir hier kennen lernen erinnerten uns mehr an junge Abiturienten und Studenten aus gutem Hause, als an unser Bild von Straßenkindern.
Wie werden aus dreckigen und verwahrlosten Straßenkindern wohl ausgebildete junge Leute mit großen Plänen für die eigene Zukunft?
Es wäre vermessen anzunehmen, dass wir auf diese Frage in 2 Stunden eine erschöpfende und umfassende Antwort erhalten. Aber was wir erhalten ist ein sehr guter erster Eindruck.

Wolfgang gründete hier in Indien eine eigene NGO; eine None Government Organisation, eine "nicht staatliche Organisation", ohne die ein Hilfsprojekt in Indien nicht möglich ist. Aus seinem Freundeskreis in Deutschland fand er die ersten Unterstützer mit Hilfe deren er das erste Haus im Jahr 2000 hier in Santoshpur fertig stellte.
Einige Jahre später folgten 2 Anbauten in dem heute bis zu 40 ehemalige Straßenkinder ein neues Zuhause finden.


Auch hier wird fleißig für eine Prüfung gelernt.

Wie kommt ein Straßenkind in das Projekt?
Nun, Straßenkinder leben auf der Straße, sind von Zuhause weggelaufen oder wurden von den Eltern verstoßen. Genau lässt sich die Biographie dieser Kinder nicht zurückverfolgen. Ein Anlaufpunkt der Straßenkinder sind so genannte "Shelter", sehr einfache Unterkünfte an oder nahe von Bahnhöfen oder ähnlichen Brennpunkten, in denen die Kinder über Nacht Unterschlupf finden können, was zu Essen bekommen und schlafen können, ohne ausgeraubt zu werden.
Sie werden fragen: "Wer will die den ausrauben, die Kinder haben doch nichts." Nach unseren Maßstäben ist das natürlich richtig, aber wenn sie ein paar Rupee erbettelt oder etwas "organisiert" haben kann das eine begehrte Beute sein.

Kommen Kinder öfter in diese "Shelter" werden sie von Betreuern angesprochen, wie sie denn auf die Straße gekommen sind und ob sie nicht von der Straße weg wollen. Das passiert sehr behutsam und ohne Druck! Man versucht sehr langsam über viele Wochen oder Monate Vertrauen aufzubauen.

Möchte ein Kind (meist im Alter zwischen 5 und 7 Jahren) ein neues Zuhause, Schule und letztendlich auch klare Regeln und Ordnung gegen seine Freiheit als Straßenkind eintauschen kommt es in das Projekt von Wolfgang. Das ist eine sehr große und weitgreifende Veränderung für das Kind, das als Straßenkind keinerlei Regeln und Ordnung zu beachten hatte. Diese Kinder haben außer ebenfalls auf der Straße lebenden Freunden, keinerlei familiäre Bindungen mehr. Aus Sicht der Straßenkinder geben sie Ihre Freiheit auf! Trotzdem bleiben rund 80 % der Kinder und finden bei ali sk ein neues Zuhause.


Hier wird die Kleidung und ganz besonders die Trikots des FC Kolkata wieder in Ordnung gebracht.

In dem Projekt von ali sk gibt es kleinere und größere Schlafräume. Obwohl es Betten gibt, schlafen die Kinder, besonders in den sehr heißen Monaten, lieber auf dem kühlen Steinboden. Sie besuchen alle eine Schule, machen hier die Hausaufgaben, lernen und wachsen zu sehr bemerkenswerten jungen Leuten heran. Die Kommunikation mit Wolfgang ist hauptsächlich in Englisch. Da die Kinder sehr jung in das Projekt kommen, lernen sie sehr schnell die neue Sprache.
Dieses Erfahrung habe ich auch schon in dem H.E.L.G.O. Projekt erleben können.

Der große Unterschied zu dem H.E.L.G.O. Projekt ist nicht nur der viel schöner gelegene Standort. Ali sk konnte seinen Standort überall wählen, da die Straßenkinder nicht gebunden sind und keinen oder nur sehr losen Kontakt zu Eltern und Verwandten haben.

H.E.L.G.O. muss da helfen wo die Kinder und deren Eltern leben, da die ehemaligen Kinderarbeiter zu 90 % in weitgehend intakten, aber sehr armen Familien leben aus denen man sie nicht heraus reißen möchte.

Der zweite große Unterschied hängt auch mit dem Umfeld und den Lebensverhältnissen zusammen. Die Kinder bei H.E.L.G.O. besuchen die Schule in ihrer nächsten Umgebung und erlernen daher viel schwerer und langsamer die Englische Sprache, da Eltern, Lehrer und Nachbarn nur Hindi, Bengali oder Urdu sprechen. Das gilt auch für die indischen Mitarbeiter des H.E.L.G.O. Projekts. Eine Ausnahme bilden die rund 20 Jungs im Hostel von H.E.L.G.O., die ebenso wie alle Jungs bei ali sk über bessere Englischkenntnisse und auch eine bessere Schulausbildung verfügen. Ich vermute den Grund darin, dass sie durch den Umgang mit Wolfgang bei ali sk , bzw. Martin und den deutschen Volontären bei H.E.L.G.O. viel mehr Möglichkeiten haben die englische Sprache anzuwenden.
Eine englischsprechende Umgebung scheint für den Werdegang der Kinder eine sehr große Bedeutung zu haben.

Der 2-stündige Besuch bei Wolfgang Müller und seinem Projekt ali sk hat bei uns einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Beide Projekte kann man aufgrund der unterschiedlichen "Zielgruppe" und Ausrichtung nicht mit einander vergleichen. Für mich steht fest, dass ich mir ali sk bei meinen künftigen Besuchen in Kolkata noch genauer ansehen werde.

Das Team von ali sk leistet eine sehr erfolgreiche Arbeit und bietet indischen Straßenkindern eine wertvolle Perspektive für deren weiteres Leben. Macht weiter so.

Ihre Anfrage an Verein ali sk e.V.

Hier haben Sie die Möglichkeit mit dem Verein ali sk e.V. Aktion Lebenshilfe für Indiens Straßenkinder in Frankfurt am Main direkt in Verbindung zu treten.

foxyform